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BI „Hochstraße B 49“                                                                                 Wetzlar, den 12. Oktober 2019

Ein offener Brief

An den
Oberbürgermeister
Herrn Manfred Wagner
Rathaus
Ernst-Leitz-Straße 30
35578 Wetzlar

Betr.: 15 Punkte zur B 49

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

die Hochstraße B 49 ist marode und kann nur noch bis zum Jahr 2027 befahren werden. Das war vielen Bürgern Wetzlars bekannt. Unbekannt war jedoch lange Zeit, dass sie nicht am selben Standort neu errichtet oder saniert würde. Und so hat die Information alternativer Trassen östlich und westlich an Dalheim vorbei zu Unsicherheit, Angst und auch Unverständnis in der Bevölkerung geführt.

Die Stadt hat sich kürzlich positioniert und für eine Tunnellösung westlich von Dalheim ausgesprochen. Unsere Bürgerinitiative setzt sich weiter für den Erhalt der bestehenden Hochstraße ein. Um unsere Entscheidung zu verdeutlichen, sind wir seit Monaten in und um Wetzlar aktiv und informieren im Detail. Eine Aufgabe, die wir eigentlich in der Verantwortung der Stadt Wetzlar sehen. Nach unserer Ansicht ist es nicht ausreichend, sich zu positionieren. Wir erwarten auch eingehende und umfassende Erklärungen, warum dies so geschehen ist.

Um hier Transparenz für alle Bürger Wetzlars zu schaffen, richten wir diesen offenen Brief an Sie und die Stadtverordneten. Wir listen jene Punkte auf, die nach unserer Ansicht noch einer Erklärung von Seiten des Magistrats bedürfen. Im Folgenden sind es diese Punkte:

1) Es wird kommuniziert, die Hochstraße verschwinde, wenn eine der alternativen Trassen gebaut würde. Hat die Stadt Wetzlar darüber eingehend informiert, dass nur ca.
600 m ebenerdig verliefen? Nach unserem Kenntnisstand würden für einen Ersatzbau wieder Brücken und Dämme errichtet und das äußere Erscheinungsbild ändert sich nur in kleinen Bereichen der ursprünglichen Strecke.

2) Als eines der Hauptgegenargumente wird aufgeführt, dass eine neu zu errichtende Hochstraße durch Wetzlar wegen des geforderten Querschnitts von über 33 m nicht den dafür notwendigen Platz fände. Wir schlagen deshalb Sonderlösungen vor, wie sie in Bayern und Rheinland-Pfalz angewendet wurden. Dort wurden Querschnitte den dortigen Gegebenheiten angepasst. Und nicht so wie in Wetzlar, wo rigide Verordnungen flexible und kluge Lösungen verhindern. So unsere Einschätzung. Deutlich wird dies, da jeder Tunnel einen Querschnitt von unter 20 m aufweisen würde und auch keine Randstreifen besäße. Dies trifft auch auf die Einhausung Dalheim und träfe auch auf den möglichen Tunnel zu, der zwischen Altenberg und Dalheim errichtet werden könnte. Es ist uns unverständlich, dass hier eine uneinheitlich breite Strecke gebaut werden soll – mit der Begründung, sie müsse einheitlich sein. Ein Widerspruch in sich. Zumal die im Querschnitt reduzierte Lösung im Tunnel wahrscheinlich teurer wäre, als eine vergleichbar breite, neue Hochstraße. Zudem weisen wir darauf hin, dass die gesamte B49 nicht einheitlich mit dem Querschnitt von 33 m ausgebaut ist. Und es in Zukunft auch nicht sein wird. Eben, weil es zahlreiche Abschnitte gibt, die den geforderten Regelquerschnitt einfach nicht zulassen. Es ist für uns weiter in höchstem Maße nicht einsichtig, dass gerade im Bereich Wetzlar Argumente aufgeführt und durchgesetzt werden sollen, die außerhalb der Region Wetzlar wahrscheinlich gänzlich anders bewertet würden.

3) Hessen Mobil hat in einer Informationsveranstaltung am 17. Juni 2019 die Querschnitte RQ 31 und SQ 27,5B als Ersatz für die bestehende Hochstraße vorgestellt. Und gezeigt, dass diese Bauweisen nur schwer in die vorhandene Streckenführung eingegliedert werden können. Andere Bauweisen wurden nach unserer Kenntnis nicht geprüft. SQ 27,5B wurde dann in der weiteren Planung gestrichen. Beide Varianten entsprechen der Entwurfsklasse EKA 1 und EKA 2 und finden bei überregionalen und Fernautobahnen Anwendung. Bei EKA 2 liegt die Strecke zwischen Ausfahrten bei 5 km und größer (Vorgabe der Richtlinie für den Ausbau von Autobahnen RAA). Uns liegt eine Expertise vor, die den Querschnitt RQ 25B vorschlägt. Dieser ist explizit für Stadtautobahnen vorgesehen (Entwurfsklasse EKA 3), hat keine Vorgabe zur Streckenlänge zwischen den jeweiligen Ausfahrten, hat eine Breite ohne Randstreifen von 22 m und würde somit problemlos die bestehende Hochstraße ersetzen können. Wir bitten
Sie, Herr Oberbürgermeister, diesen Sachverhalt von Hessen Mobil nochmals prüfen zu lassen. Insbesondere unter dem Aspekt, dass die Hochstraße besser mit einer Stadtautobahn als mit einer Fernautobahn zu vergleichen wäre.

4) Die uns vorliegende Expertise bezweifelt weiter das zukünftige Verkehrsaufkommen auf der geplanten Kreisstraße für den Quell- und Zielverkehr von AS Altenberg nach Wetzlar-Mitte – wie von Hessen Mobil genannt – und korrigiert es. Darin schätzen wir den Quell- und Zielverkehr auf Grund der von Hessen-Mobil genannten Verkehrzählung 2017 für Wetzlar weit höher ein. Würde die Hochstraße abgerissen und durch eine einspurige Variante als Zufahrt in die Stadtmitte ersetzt werden, wäre deren Kapazität für das Verkehrsaufkommen weit zu gering. Nach unserem Dafürhalten wäre eine zweispurige Fahrbahn notwendig, die in etwa der bestehenden Hochstraße gleicht. Wir bitten dringend darum, auch diesen Punkt von Hessen Mobil erneut prüfen zu lassen. Unsere Expertise nennt weitere Aspekte, die den Wiederaufbau der Hochstraße unterstützen. Wir haben diese Expertise zeitgleich mit diesem Schreiben an Hessen Mobil übergeben. Wir werden sie ebenfalls Herrn Staatssekretär Bilger im BMVI vorlegen.

5) Mit einer geänderten Streckenführung werden große Teile der B 49 und der B 277 im Dillfeld nebst der Einhausung Dalheim zur Kreisstraße zurückgestuft. Die Unterhaltung fiele dann an die Stadt Wetzlar. Dies bedeutet nach unserem Kenntnisstand, dass erhöhte Kosten zur Instandhaltung aufkämen, die dann von den Bürgern Wetzlars, ggf. über die Grundsteuer, zu finanzieren wären.

6) Den Kommunen und Bürgern westlich und östlich Wetzlars ist weitgehend unbekannt, dass sie im Falle einer alternativen Trasse bis zu 6 km mehr für die einfache Fahrt und 12 km bei Pendelfahrten zurücklegen müssten, wenn sie Wetzlar passieren möchten. Besonders Pendler bekämen dies zu spüren. Sie erwarten dann längere Fahrtzeiten, höhere Kosten durch zusätzlichen Spritverbrauch und ggf. durch eine CO2-Abgabe und Einschränkungen ihrer Freizeit. Dies trifft besonders für die Umfahrung westlich von Dalheim über den Eulingsberg zu. Dabei ist es gleichgültig, ob hier eine offene Bebauung oder ein Tunnel gebaut würde.

7) Nach unseren Informationen würden die Zufahrtswege nach Wetzlar als Kreisstraße nur noch einspurig in jede Richtung ausgelegt werden. Bei gleichem oder gesteigertem Verkehrsaufkommen auf „halbierter Fahrbahn“ rechnet unsere Bürgerinitiative daher mit erhöhtem Staurisiko und daraus folgenden Verkehrsbehinderungen in Wetzlars Innenstadt. Zusätzlich sehen wir eine erhöhte Umweltbelastung durch CO2 und Feinstaub, da diese sich im Gegensatz zur jetzigen Situation in der Innenstadt akkumulieren würden.

8) Bei der Planung von Hessen Mobil wurde eine Raumwiderstandskarte erstellt. Diese bewertet die unterschiedlichen Trassen nach ihrer Eignung zur Nutzung und berücksichtigt besonders Einflüsse wie Lärm, Umweltbelastung, Einwirkung auf Mensch, Natur, Fauna und Flora und zahlreiche andere Faktoren. Hessen Mobil hat hier ermittelt, dass die bestehende Trasse – die Hochstraße – den geringsten Raumwiderstand bietet. Es ist daher nicht einsichtig, warum gerade diese Trasse wegfallen soll.

9) Die betroffenen Flächen der alternativen Trassen werden derzeit auch landwirtschaftlich genutzt. Es handelt sich um äußerst ertragreiche Böden, die den Bioanbau zuließen, wenn sie den Landwirten weiter langfristig zur Verfügung stünden. Allein die Möglichkeit einer Trasse schränkt schon heute die Planungssicherheit der landwirtschaftlichen Betriebe ein und verhindert bereits jetzt die Umstellung auf Bioanbau.

10) Die mögliche Trasse am Eulingsberg verliefe sehr nahe an der gleichnamigen Sondermülldeponie. Mehrere Bürgerinitiativen warnen vor einem möglichen Austritt von dort deponierten Schadstoffen. Nach unserer Kenntnis sind dort toxische Stoffe wie Chrom-VI-Verbindungen und Cyanide gelagert. Zwar ist der ausführenden Behörde – Hessen Mobil – dieser Umstand bekannt. Sie stuft das Risiko eines Austritts toxischer Stoffe als sehr klein ein oder schließt es gar aus. Die Bürgerinitiativen weisen trotzdem darauf hin, dass sie nicht zu kalkulierende Umstände des Giftaustritts befürchten.

11) Mit Errichtung alternativen Trassen würde die Bodenversiegelung weiter drastisch Vorschub geleistet werden. Dies widerspricht in hohem Maße den Vorgaben der Bundesregierung. Für die Bürgerinitiative ist es nicht einsehbar, dass die Vorgaben so sehr deutlich von den geplanten Maßnahmen abweichen.

12) Der Rahmenplan der Stadt Wetzlar sagt aus, dass die betroffenen Gebiete die Lunge Wetzlars und besonders schützenswert wären. Es ist uns daher unverständlich, dass die Stadt Wetzlar dieses Gebiet als Alternative zur Hochstraße favorisiert und damit
den eigenen Angaben widerspricht.

13) Schließlich führen wir noch die unmittelbaren Belästigungen an, denen Dalheim von alternativen Trassen ausgesetzt wäre. Bereits jetzt ist unser Stadtteil von zahlreichen Fernstraßen umringt. Sie erzeugen schon heute viel Lärm und Umweltbelastungen. Die alternativen Trassen steigerten dies auf ein schier unerträgliches Maß für die einzelnen Anwohner. Sie liefen z. T. direkt an den Gärten der Anwohner vorbei.

14) Das Gebiet rund um Dalheim ist die Naherholungszone Wetzlars mit erhaltenswerter Fauna und Flora. Südlich des Klosterwaldes, westlich der Dill und nördlich der Lahn leben hier zahlreich Tiere und Pflanzen, die es – gerade in diesen Zeiten – zu erhalten gilt. In allen angesprochenen Zonen befinden sich zahlreiche Wander- und Fahrradwege. Sie bieten den notwendigen Ausgleich für hektische Betriebsamkeit auf der Arbeit für hart arbeitende Menschen. Es ist uns nicht einsichtig, warum diese nicht weiter erhalten werden sollen. In einer Zeit, wo jeder sofortiges Umdenken erwartet. Das tun wir! Und wir erwarten es auch von unseren Politikern!

15) Gleichermaßen würden die Wetzlarer Stadtteile Hermannstein und Naunheim durch ein stark erhöhtes Verkehrsaufkommen mit deutlich gesteigertem Verkehrslärm in Mitleidenschaft gezogen. Ebenso wie Teile der Stadt Asslar. Pendler aus den Gemeinden Solms und Lahnau – und noch weiter östlich oder westlich gelegene Gemeinden – wären ebenfalls betroffen. Wir erwähnen diese Orte, um explizit zu zeigen, dass es sich hier um ein überregionales Problem handelt.

Diese fünfzehn Anmerkungen wollen wir der Öffentlichkeit zur Kenntnis geben. Wir haben die uns vorliegenden Daten nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Der größte Teil unserer Informationen stammt von Hessen Mobil selbst oder von anderen staatlichen Einrichtungen. Wir beschränken uns weitgehend darauf, wie die Fakten zu interpretieren und umzusetzen sind!

Wir wären dankbar, wenn Sie und die Stadtverordneten unsere Bedenken aufnehmen und beantworten oder klären könnten. Wir möchten weiter erwähnen, dass dies vor dem Ende der Phase der Vorplanung bei Hessen Mobil – der ausführenden Instanz – geschehen sollte. Dies wäre nach unserem Kenntnisstand der November 2019.

Wir weisen nachdrücklich darauf hin, dass mit dem Ende der Vorplanung die von Hessen Mobil bevorzugte Variante dann dem Bundesverkehrsministerium zur weiteren Ausführung vorgelegt wird. Mit der Konsequenz, dass das BMVI dann eine Variante favorisiert. Dies, ohne dass zuvor eine angemessene Information der Bevölkerung stattgefunden hätte. Und weiter ohne die Möglichkeit dieser betroffenen Leute, maßgebend Einfluss zu nehmen.

Wir wenden uns an Sie, Herr Oberbürgermeister Wagner, weil Sie unser direkter und unmittelbarer Ansprechpartner sind. Wir sehen ernsthafte Probleme auf die Stadt Wetzlar zukommen. Daher möchten wir auch zuerst Ihr Verständnis und – wenn Ihnen möglich – Ihre Unterstützung gewinnen.

Uns ist durchaus bewusst, dass die Entscheidung beim BMVI in Berlin getroffen wird. Deshalb geht dieses Schreiben auch in Kopie und per E-Mail an Herrn Staatssekretär Bilger, der uns von Herrn Verkehrsminister Scheuer als Ansprechpartner genannt wurde. Weiterhin senden wir eine Kopie an Hessen Mobil West. Ebenso an die MdBs von FDP, SPD und CDU. Frau Schmidt und die Herren Irmer und Dr. Solms. Wir beabsichtigen diesen Brief in der WNZ, dem Sonntag-Morgenmagazin und dem Wetzlar Kurier
veröffentlichen zu lassen. Und hoffen, dass man unserer Bitte entspricht.

Wir veröffentlichen das Dokument zusätzlich in unserer Facebook-Gruppe und auf unserer
Internetseite „www.hochstraßeb49.de“.

Wir sind dankbar, wenn Sie unseren Vorschlag aufnähmen und alle Betroffenen zeitnah
informieren könnten.

Mit den besten Grüßen

Für die BI „Hochstraße B 49“
Christel Jung, Boris Görtz, Reiner Hettlage, Detlef Prochnow, Holger Stief, Ulrich Wolf

 

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Über
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